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Die etwas anderen Facetten des Jugendfußballs

Die Fußballabteilung der TGA Rottweil findet neben den etablierteren Vereinen der Stadt oftmals keine Erwähnung. Dabei tragen der Klub aus Altstadt und allen voran Abteilungsleiter Martin Ehinger ihren Teil zur Nachwuchsentwicklung in der Region bei.

Martin Ehinger hat einen Traum. Er würde sich wünschen, dass die Fußballvereine in Rottweil mehr in den Austausch gehen, kooperieren und so die Nachwuchsarbeit in der Stadt gemeinsam vorantreiben. „Es ist extrem schwierig, mit drei verschiedenen Vereinen mal wirklich eine Jugendmannschaft hervorzubringen, die auf ganz hohem
Niveau mitspielen kann, meint der 59-Jährige. „Und das muss für eine Stadt wie Rottweil eigentlich das Ziel sein.“

Eine Frage der Philosophie
Martin Ehinger weiß aber auch, dass eine solche Zusammenarbeit zwischen seinem Verein, der TGA Rottweil, und den „Großen“ in der Stadt, dem FV 08 und dem FC Suebia, in naher Zukunft unwahrscheinlich ist – spätestens seit den geplatzten Fusionsgesprächen zwischen den Nullachtern und dem relativ jungen Verein von der Charlottenhöhe. „Ehrlich gesagt besteht von unserer Seite aus auch kein wirkliches Interesse an einer Zusammenarbeit. Unsere Philosophie als Verein passt einfach nicht so gut zu den der anderen“, so der Lahrer, der Rottweil seit 1996 seine Heimat nennt.

Nicht nur Leistungsgedanke
Denn bei der TGA Rottweil, die primär für ihre Turnabteilung bekannt ist, ist der Leistungsgedanke ạgar nicht so verankert“.. Ehinger, der Abteilungsleiter Fußball des Vereins Stadtteil Altstadt, sieht die Entwicklungen in der Nachwuchsabteilung kritisch – nicht nur in Rottweil, sondern generell, beispielsweise das Abwerben von jungen Talenten durch größere Vereine oder die Kommerzialisierung der Nachwuchsentwicklung durch privat geführte Fußballschulen. Die TGA möchte anders arbeiten. Das Gemeinschaftsgefühl und der Spaß am Fußball sollen bei Kindern und Jugendlichen Vordergrund stehen. In dieser Saison stellt der Verein mit Ausnahme einer B-Jugend Teams in allen Altersklassen – ohne Spielgemeinschaften oder sonstige Kooperationen. Was heutzutage für einen Verein dieser Größe bemerkenswert ist, erklärt sich Ehinger durch den Ansatz der Abteilung: „Uns ist diese Gemeinschaft sehr wichtig. Die Kinder sollen so viel wie möglich mit ihren Klassenkameraden oder anderen Jugenden hier im Verein spielen.“

Immer wieder Talente
Trotz dieser Prinzipien hält sich die TGA seit Jahren als wichtiger Bestandteil des Rottweiler Nachwuchsfußballs – und entwickelt auch ab und zu echte Top-Talente, wie zum Beispiel Colin Kurz, der in der U19 des 1. FC Heidenheim spielt, oder Valentin Haller von der TSG Balingen, der gleichzeitig als Jugendtrainer bei seinem ehemaligen Klub in Rottweil aktiv ist. Auch Martin Ehingers Sohn Laurentius Buchholz ist Jugendtrainer bei seinem Ex-Verein. Viele der Kinder und Jugendlichen gehen auf die nahe gelegene Schule. Manchmal spielen andere mit, die in dem Übergangswohnheim direkt neben dem Sportplatz leben. Der Verein ist also durch und durch in Altstadt verankert. Und auch das „Walking Football“-Team – eine neuartige Entwicklung, Geh-Fußball für Ältere – nimmt immer mehr Fahrt auf.

Überschaubare Karriere
Ehinger selbst kickte übrigens nur bis zur C-Jugend, bevor ihm klar wurde, dass es sehr viele bessere Spieler gab“, wie er sich erinnert. Der Höhepunkt seiner Karriere war ein Austauschjahr in Kanada, wo ich dann plötzlich richtig gut war“, so der 59-Jährige lachend. Doch nun hat er endgültig seine Berufung in der Fußballwelt gefunden. Wenn es nach ihm geht, wird die TGA ihren Weg auch in den kommenden Jahren weitergehen. Und wer weiß: Vielleicht geht sein Traum vom vereinten Rottweiler Jugendfußball eines Tages doch noch in Erfüllung.