Erstes Tor am Tag des „Wunders von Bern“
Von Eberhard Wucher
In den Nachkriegsjahren herrschte unter den Altstädter Jugendlichen und auch seitens der 1950 wieder gegründeten TGA großes Interesse, eine Ballsportart zu betreiben. Von Seiten des Vereines war man darauf fixiert, da bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bereits eine erfolgreiche Mannschaft diesen Sport betrieben hatte.
Doch 1954 fanden sich letzlich nur sechs Interessenten am Handball, der große Bruder Fußball boomte überall, was dann auch im „Wunder von Bern“ seinen Höhepunkt fand. Nicht wenig Altstädter kickten bereits bei den Aktiven oder einer Jugendmannschaft des FV 08 Rottweil und signalisierten, im Fall einer Neugründung zur TGA wechseln zu wollen.
Am 30. April 1954 fand dann die Gründungversammlung im Gasthaus „Germania“ statt. Und am gleichen Tag, als Deutschland erstmals Fußball-Weltmeister wurde, konnte die TGA endlich ihr erstes Vorbereitungsspiel bestreiten. Zwar unterlag man Schörzingen mit 1:6, dennoch konnte Georg Armleder mit dem ersten TGA-Tor seine später gefürchtete Torgefährlichkeit bereits andeuten.
Die TGA wurde nun der C-Klasse Rottweil, Staffel II, zuzgeteilt. Die Spiele wurden im ersten Jahr durchweg im Stadion ausgetragen. Weitaus öfter als heute denkbar kam es zu Spielverlegungen. Verschiebungen auf Wunsch von Landvereinen wegen Ernteeinsätzen waren nahezu die Regel. Doch die Lust, Fußball zu spielen, überlagerte alles. Des öfteren musste man auf den Sportplatz „In der Au“ ausweichen. Der überwiegend in Eigenarbeit realisierte Bau des Sportplatzes auf dem „Gänsewasen“ in der Altstadt milderte wenigstens die Platzprobleme fürs Training.
Neben dem Fußballspiel wurde die Kameradschaft groß geschrieben. Eine der ersten Rechnungen im Kassenbuch weist die Anschaffung von Liederbüchern aus. Im dritten Jahr des Bestehens, also in der Saison 1957/58, konnte das ersehnte Ziel der Meisterschaft und des damit verbundenen Aufstiegs in die B-Klasse erreicht werden. Insgesamt blieben jedoch große sportliche Erfolge aus. Um es positiv auszudrücken: Seit der Saison 1971/72 spielte kein TGA-Aktiver mehr gegen den Abstieg, und zu Beginn der 90er-Jahre löste sich die erste Mannschaft auf.
Jugendarbeit stets die große Stärke
Selbst ein Bundesligaspieler schlüpfte aus den TGA-Reihen
Erfolgreich konnten die Fußballer der TGA Rottweil in den 50 Jahren ihres Bestehens ihre Jugendarbeit gestalten. Etliche Meisterwimpel und Pokale zieren das Vereinszimmer. Bereits 1957 wurde neben der A-Jugend eine C-Jugend gemeldet.
Unvergesslich bleibt die A-Jugend Ende der 60er Anfang der 70er Jahre unter Trainer Willi Sauter und Jugendleiter Helmut Spreter, die Kantersiege in Folge erzielte und aus der der spätere Bundesliga-Profi Walter Gruler hervorging. Mit großem organisatorischem Aufwand und vielen Jugendtrainern wurde die Zahl der Mannschaften immer mehr erweitert, von der F-Jugend bis zu den Aktiven war alles besetzt. Selbst eine Damenmannschaft jagte Mitte der 80er Jahre erfolgreich nach dem Ball. Ein Rückgang des Interesses seitens der Jugendlichen sowie die immer schwieriger werdende Suche nach Betreuungspersonen führte in den 90er Jahren zu einer Ausdünnung im älteren Jugendbereich. Heute spielen in der TGA D- E- und F-Jugendliche sowie die Jüngsten, die „Bambinis“.
Nicht unerwähnt bleiben soll die rührige AH-Abteilung, 1968 gegründet, gelang es ihr, Spieler der ersten Stunde an den Verein zu binden und sie durch viele spätere aktive Spieler, aber auch von auswärts zugezogenen Fußballinteressierten zu ergänzen. Heute bietet sie eine Mischung aus sportlichem Angebot (Fußball, Rad, Kegeln) sowie gesellschaftlichen Ereignissen (Ausflüge, Wanderungen, aber auch Mithilfe bei etlichen TGA-Veranstaltungen.
(Schwarzwälder Bote, 18. Juni 2004)
